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Die Geschichte vom "Mozartinger"

Der Mozartinger

Es begab sich zu einer Zeit - es muss wohl so zwischen 1756 und 1791 gewesen sein, als Wolfgang Amadeus Mozart unter anderem Le nozze di Figaro und auch die Zauberflöte komponierte.

Hell erstrahlten die kupfernen Kirchenkuppeln, sanft wog ein leichtes Frühjahrslüfterl die ersten Sprösslinge, glitzernd lag die Salzach in ihrem Bett. An diesem wunderschönen, sonnigen Frühlingstag in Salzburg äste ein kleiner Rehbock just auf der Lichtung am Kapuzinerberg, an dem heute noch ein Mozartdenkmal zu bestaunen ist.

Plötzlich hob der kleine Rehbock einen seiner Lauscher. Hörte er da völlig neue Geräusche durch das Waldesrauschen? Er hob den Kopf etwas höher und schaute in den wolkenlosen, blauen Himmel. Ganz offenbar hatten auch die Stare und Amseln etwas gehört? Und das kleine Kaninchen am Waldesrand. Der kleine Rehbock hob nun seine beiden Loser in die Richtung, wo er glaubte die Geräusche vernommen zu haben. Und ja wirklich! Er hörte wundervolle Klänge. Er wusste nicht, was er da hörte, aber er wusste, die Klänge mussten von einem Wunderkind sein.

Minutenlang gab er sich bewegungslos der schönen Musik hin, bis er durch ein lautes Rascheln aufschreckte. Er schaute sich um. Hinter ihm hatten sich Scharen von anderen Waldbewohnern aus ihren Verstecken getraut, um sich ebenfalls von den Klängen von Flöte, Klavier und Geige verzaubern zu lassen.

Der kleine Rehbock scharrte verlegen mit seinem linken Huf, blinzelte hinüber zu der Schar und bemerkte sofort, wie angetan alle von der zauberhaften Musik waren. Also fasste er sich ein Herz, schnaubte tief durch und fragte, ob sie nicht gemeinsam erkunden sollten, woher die Klänge kamen. Alle, sogar der junge Fuchs vom Gaisberg, stimmten zu, ganz offenbar, weil beim Klang der Zauberflöte wilde Tiere der Wildnis zahm und freundlich Gesellschaft suchen.

Also machten sie sich auf den Weg hinunter vom Kapuzinerberg zum heutigen Platzl und über die damals einzige hölzerne Brücke Salzburgs, die unter Markus Sittikus erbaut wurde, an der Stelle der heutigen Staatsbrücke. Immer mit spitzen Ohren der Musik nach, die bei jedem Schritt besser zu hören und lauter und intensiver wurde.

Sie versammelten sich am Rathausplatz und schauten an einem gelben Haus empor. Eindeutig. Dort, aus dem dritten Stock kamen die faszinierenden Klänge. Sprachlos und betört verharrten sie einige Minuten, als sie jäh aus dem Staunen gerissen wurden.

Donnerschlagende Hufe, eisenknarzendes Holz über Kopfsteinpflaster und der Ruf des Kutschers: Macht Platz für Jedermann! erwischten den kleinen Rehbock nur knapp. Er wich dem doppelt bespannten Fiaker mit einem gekonnten Satz aus. Als er wieder sicheren Boden unter den Hufen hatte, dachte er bei sich: da hatte es einer eilig. Zu eilig, um der schönen Musik Achtung zu schenken.

Er schüttelte sich, drehte sich um, nickte leicht, aber verhalten, mit dem Kopf nach links, um den anderen zu zeigen, dass er weiterwollte. Der schlaue Fuchs verstand sofort, denn er kannte sich in Salzburg nur allzu gut aus. Er schloss mit dem kleinen Rehbock auf und, ohne dass der dies merken konnte, übernahm der Fuchs die Führung Richtung Sigmund Haffner Gasse, um durch den Ritzerbogen zum Grünmarkt zu kommen. Sie schlängelten sich dicht gedrängt durch das bunte Treiben und versuchten so unauffällig wie möglich zu bleiben. Nur das kleine Kaninchen konnte es nicht lassen, sich an einem der Stände eine Karotte zu stibitzen. Die Marktfrau schrie wie am Spieß, worauf die Tierschar im Galopp vorbei an der Kollegienkirche Richtung Pferdeschwemme weiterstaubte. Außer sich vor Atem waren sie glücklich, hier eine wohltuende Tränke zu finden.

Als sie sich alle an dem kühlen Nass labten, schnaubte ein großer, schwarzer Hengst hinter ihnen aus seinen dunklen Nüstern: Das ist unser Wasser, verschwindet!

Ein kleines Rotkehlchen flatterte flux auf, schwirrte zu seinem Ohr und zwitscherte ihm zu: Aber hörst du nicht die wundervolle Musik der Zauberflöte, die alle wilden Tiere gesellig, zahm und freundlich macht? Der Hengst schüttelte sich, schnaubte erneut, neigte seinen Huf zum Gruß, drehte sich zu seiner Herde um und forderte Aufmerksamkeit, sodass der kleine Rehbock erklären könne, was es damit auf sich hatte.

Der kleine Rehbock räusperte sich schüchtern, wollte ansetzen, brach aber ab. Hörte er da etwa ein liebliches Glockenspiel durch das Stimmengewirr? Er schaute zu Boden, fasste all seinen Mut zusammen, um zu der lauten Schar zu sprechen. Dann bemerkte er, dass sie gar nicht mehr durcheinander schnatterten. Denn als das Glockenspiel ertönte, tanzten alle fröhlich und singend um das glitzernde Wasser herum.

Er sah hinüber zum schlauen Fuchs und grinste. Er wusste, dass nun auch die Tiere vom Mönchsberg vom Zauber der Musik überzeugt waren. Also ging er zum schwarzen Hengst und bedeutete ihm, dass sie alle miteinander weiterziehen sollten.

Sie machten sich auf und zogen über die Hofstallgasse vorbei an der Felsenreitschule, die den Stuten und Hengsten nur allzu gut bekannt war, als die höchste Karrierestufe vom Fiakerpferd zum Star. Der kleine Rehbock trabte fröhlich zwischen all seinen neuen Freunden und glaubte bald seinen Augen nicht zu trauen. Als sie über den heutigen Furtwängler Park, geradeaus an der Franziskanerkirche vorbei Richtung Domplatz tanzten, erblickte er die Heilige Maria zwischen den hinteren Dombögen. Und je mehr er sich näherte, seinen Blick auf die Madonna fixiert, desto mehr glaubte er, dass er der Krönung Mariens beiwohnte. Verdutzt blieb er stehen. Der schwarze Hengst und auch der schlaue Fuchs taten es ihm gleich und sahen ihn fragend an. Sie folgten seinem Blick und dann verstanden sie. Sie betrachteten die auf einem Wolkenberg aus Untersberger Marmor sitzende Maria näher und entdeckten vier Figuren: Engel, Teufel, Weisheit und Kirche. Bis heute ist eine Tafel an einer Domseite zu finden, die die Bedeutung der Figuren erläutert.

Sie ließen sich durch die Klänge des Glockenspiels über den Domplatz Richtung Residenzplatz weitertreiben und trafen am Residenzbrunnen just auf das Fiakerpferd, das den kleinen Rehbock kurz vorher fast umgerannt hätte. Versöhnlich schmunzelte der kleine Rehbock, ging auf den Haflinger zu und fragte, ob er denn wüsste, woher die Glockenmelodien kämen. Der Haflinger schüttelte seine lange Mähne, fast als ob er sich für den vorher verursachten Unfall entschuldigen wollte und nickte wohlwollend Richtung Glockenturm, der mit 35 Glocken ausgestattet ist und dessen Spiel Ende 1704 zum ersten Mal erklang. Heute können 51 Musikstücke gespielt werden, unter anderem auch Melodien von Wolfgang Amadeus Mozart.

Entzückt genoss der kleine Rehbock nun zum ersten Mal bewusst eine von Mozarts gefühlvollen Melodien. Sofort beschloss er, als nunmehr größter Fan von W.A.M., auf immer die gleiche Frisur zu tragen, um dem Wunderkind und seinem größten Meister in alle Ewigkeit zu huldigen. Und seine neu gewonnenen Freunde nannten ihn von nun ab nur noch „Mozartinger“.

Es siegte die Stärke
und krönet zum Lohn
Die Schönheit und Weisheit
mit ewiger Kron.

 
 
 
 
 
 
 
 

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